#23 Von Merian, Mut und Mittelmaß. – mit Tinka Dippel
Shownotes
fast 80 Jahre Geschichte, eine starke Marke, treue Leserinnen und Leser. Warum sollte man so etwas grundlegend verändern?
Weil Tradition allein keine Zukunft garantiert.
MERIAN hat genau das gewagt. Aus dem monothematischen Reisemagazin wurde ein multithematisches Premium-Magazin. Umfangreicher, hochwertiger, vielfältiger. Ein radikaler Schritt – und einer, der zunächst auch Leser und Autoren skeptisch machte. Im Podcast „Print lebt“ spricht MERIAN-Chefredakteurin Tinka Dippel darüber, warum dieser Schritt notwendig war – und was sich daraus für die gesamte Printbranche lernen lässt. Hören Sie jetzt die neue Folge von „Print lebt“ mit Tinka Dippel.
Transkript anzeigen
00:00:01: Print lebt.
00:00:03: Vertrauen, dass man in der Hand hält!
00:00:05: Der Branchenreport des Lesezirkels.
00:00:23: Und herzlich willkommen insbesondere der Chefredakteurin des Merian Magazins, liebe Tinker Dippel.
00:00:41: Herzlich Willkommen in diesem Podcast!
00:00:43: Danke schön dass ich dabei sein kann.
00:00:47: Liebe Tinker-Dippel wir kennen uns schon eine Weile.
00:00:50: Ich finde es schwierig jetzt in das Sie zu verfallen.
00:00:55: mit deiner Zustimmung könnten wir auch gerne duzen
00:00:59: Unbedingt sehr gerne.
00:01:01: Dann tun wir das.
00:01:03: Ich habe mal gelernt, es gibt ja auch ein Hamburger.
00:01:06: Sie also Vorname nennen und dann sitzen...
00:01:11: Du weißt ja ich bin Münchnerin.
00:01:12: insofern hab' ich mir das nie angeeignet.
00:01:14: Wunderbar!
00:01:15: Dann sind wir uns doch hier einig.
00:01:19: Eine Münchlerin in Hamburg die schon seit geraumer Zeit beim Mirian Magazin ist.
00:01:25: Tinka gib uns doch mal einen ganz kurzen Einblick.
00:01:29: Journalistin bist du mit Haut und Haaren könnte man sagen
00:01:34: Ja, wie man eben so Journalistin ist.
00:01:36: Also ich habe in München angefangen ganz klassisch im Lokalen bei der Süddeutschen Zeitung als Reporterin und dann die Journalistenschule nach dem Studium besucht.
00:01:51: Und über die Praktika, die ich dort gemacht habe unter anderem in Dresden Berlin und dann eben in Hamburg bin ich in Hamburg gelandet habe lang frei gearbeitet, viel für die Brigitte gemacht.
00:02:02: Bin so im Reisebereich gelandet und dann irgendwann erst als Autorin und später als Redakteurin beim Mirian.
00:02:10: also seit fünfzehn Jahren bin ich fest bei Mirian.
00:02:14: Seit fünfzehnt Jahren bist du feste beim Mirien-Magazin?
00:02:19: Und war denn von Anfang an klar irgendwann werd' ich dort ChefredakteurIn?
00:02:25: Nein!
00:02:28: Das einzige, was mir damals klar war, das ist wirklich der perfekte Job für mich.
00:02:37: Also dass man wirklich... Mirian war von Anfang an ein absoluter Glücksfall, ein Magazin übers Reisen aber auch so vieles mehr.
00:02:49: Damals noch in ganz anderer Form eine Riesenspielwiese.
00:02:56: Damals haben wir diese monothematischen Hefte quasi projektweise als Redakteure betreut.
00:03:01: Das war wie ein Buchprojekt, in das man eingetaucht ist was ganz ganz besonderes.
00:03:07: und nein dass ich das als Chefredakteurin machen würde waren mir damals nicht klar.
00:03:14: So das bist du nun aber
00:03:16: seit
00:03:16: zweieinhalb Jahren ungefähr?
00:03:19: Ja
00:03:20: Wie hat sich denn seither dein Alltag verändert, also gerade so im Vergleich zu Autorin?
00:03:29: Naja es sind natürlich... Also erst mal war das ja im Zuge einer fundamentalen Veränderung des Magazins.
00:03:39: Das kann ich ja gleich noch, da werden wir sicher noch zukommen.
00:03:43: und Merian ist jetzt ein multithematisches Magazin
00:03:47: d.h.,
00:03:49: Es sind einfach wahnsinnig viele Welle in der Luft sozusagen und es ist ein Füllhorn aufgegangen.
00:03:55: Vorher waren wir ja wirklich konzentriert auf die Regionen, Länder, Städte, die wir gerade so zu sagen in der Mache hatten.
00:04:02: jetzt können wir quasi in jede Region das fängt vor der Haustür an.
00:04:08: natürlich haben wir auch schon Hamburg-Geschichten gemacht bis ans andere Ende der Welt und haben natürlich ein sehr breites Autornetz.
00:04:15: also man ist da in einem Daueraustausch.
00:04:19: Also es ist viel los, kann man sagen.
00:04:22: Es ist viel Los insbesondere ich glaube seit dem Jahre dreiundzwanzig.
00:04:27: da war diese grundlegende Veränderung.
00:04:30: wie kann man's nennen?
00:04:31: Ist das eine Rebranding oder eine Neupositionierung?
00:04:36: Neuppositionierung trifft es besser für mich.
00:04:38: Man spricht ja oft von den Relounge aber es war mehr.
00:04:41: Das muss man ganz klar sagen.
00:04:44: und die Sie kam sozusagen von innen, die kam aber auch von außen.
00:04:49: Also zum einen hat sich das Verlagshaus verändert ist immer mehr in Richtung Premium gegangen.
00:04:56: Wir haben ja z.B.
00:04:57: den Feinschmecker im Haus Im Bereich Food und Beverage wirklich eine wichtige Marke Und wir haben Architektur und Wohnen im Haus im Bereich Design und Architektur, den Wortreport.
00:05:13: Wir waren als monothematisches Reisemagazin.
00:05:20: Passten wir da so nicht mehr wirklich rein?
00:05:23: Und das Reiseverhalten hat sich geändert.
00:05:25: Da spielt so viel mehr rein!
00:05:27: Es geht vielen nach Trends.
00:05:29: Das sind nicht nur Destinationen, die Leute reisen.
00:05:32: Die Leute lassen sich inspirieren.
00:05:35: Es gibt so die Art des Reisens.
00:05:37: Wie ist man unterwegs?
00:05:38: Was ist mein Bedürfnis, was brauche ich gerade?
00:05:41: Das spielt alles in die Entscheidung wie gehe ich und wann gehe ich oder wohin gehe ich auf Reisen.
00:05:47: Spielt das alles eine große Rolle.
00:05:50: Du hast gerade schon erwähnt es gab Bewegungen internes gab aber auch naja.
00:05:56: den bedürfnissen von extern sich zu verändern Kann man in zwei Sätzen zusammenfassen, was war so der größte oder der wichtigste Grund sich zu verändern?
00:06:10: Naja wie gesagt das also ich glaube da kam wirklich beides zusammen.
00:06:15: Also ich habe das vorher auch schon als jemand hier lang im Haus war und natürlich auch den Merian sowie er war sehr gerne gemacht hat.
00:06:23: Auch das mit voller Leidenschaft immer gemerkt es ist eine wahnsinnige Konzentrierung auf bestimmten Regionen.
00:06:30: Alles andere muss man rauslassen und ich habe schon auch länger gemerkt, dass passt eigentlich nicht mehr zu der Art wie die Leute reisen.
00:06:39: Und ja dann kam irgendwann eben eine radikale aber wahrscheinlich auch nötige Entscheidung.
00:06:47: Wir haben ja pausiert damals und dann wirklich das Magazin neu aufgesetzt.
00:06:52: Die fundamentalste Veränderung war natürlich die Multithematik weil sie ändert die ganze Arbeitsweise dann aber auch noch mal ein bisschen mehr in diesen Premium oder deutlich mehr in diesem Premium Bereich zu rutschen.
00:07:05: Die Hotellerie ist wichtiger geworden, wir haben Rubriken entwickelt weil das Heft natürlich dadurch dass es die Monothematik nicht mehr hat eine andere Form von Dramaturgie braucht.
00:07:17: ja aber natürlich haben wir auch gemerkt und das ist sehr schön dass diese Marke Merian auch eine starke DNA hat
00:07:27: eine starke DNA und das in Zeiten von Veränderung, das hören wir ja landauf, landab.
00:07:35: Wie könnte man denn beschreiben was bei einer solchen Neupositionierung auf keinen Fall verloren gehen darf?
00:07:49: Stichwort DNA.
00:07:52: Also ich jetzt mal ganz genau gesagt ist es dass gute Geschichten erzählen.
00:07:58: Das ist das, was Merien immer gemacht hat.
00:08:00: Das war auch ein Autorenheft und haben immer tolle Schriftsteller für uns geschrieben.
00:08:08: Die Optik, dass inspirieren die Authentizität.
00:08:13: Wir gehen auf Reisen.
00:08:17: Es ist traurig, dass man zu sagen muss aber es ist so, dass es nicht selbstverständlich ist Ja, mit diesem Magazin sich wegträumen kann und das glaube ich ist nach wie vor gegeben.
00:08:32: Es ist natürlich anders weil ich nicht nur in eine Region tief eintauche.
00:08:37: Natürlich ist es manchen Lesern auch schwer gefallen.
00:08:39: wir haben auch leser verloren da bin ich sicher aber wir haben noch neue dazu gewonnen Und es sind viele tatsächlich dem ganzen treu geblieben.
00:08:50: Wenn du sagst Das ist eher so Richtung Premium ausgerichtet Was macht denn Premium, was macht denn hochwertig aus?
00:09:01: Also ist es teurer geworden.
00:09:05: Das spielt natürlich eine Rolle ich finde aber das kann niemals definierende sein.
00:09:10: Ich möchte als Reisender nicht über mein Budget definiert werden.
00:09:13: Das ist eher ein Anspruch an bestimmte Erlebnisse Arten einen Ort zu besuchen.
00:09:20: Wir gehen immer davon aus natürlich haben wir ne sehr kaufkräftige Leserschaft dass die Leute quasi wenig limitiert sind in ihrem Reisebudget, aber das ist nicht das worum es geht.
00:09:33: Also wir haben zum Beispiel immer im Heft einen Gourmet-Guy den macht ein Auto auf Fotograf und Koch in einem Gasi der macht die Bilder und ist unterwegs und der is so'n Trüffelschwein der findet Orte natürlich sind es zum Teil auch Sterne Restaurants das sind aber auch Fischboden die ganz besonders toll sind.
00:09:53: also es diese Mischung Es findet einfach Orte, die eine Seele haben.
00:10:00: Die besonders sind und da kann er ganz toll darüber erzählen.
00:10:03: Und das ist was uns insgesamt wichtig ist weil wir reisen ja nach wie vor in ganz unterschiedliche Ecken der Welt.
00:10:11: Wir sind auch im Hochgebirge unterwegs und da können es nicht um fünf Sterne Hotels gehen Sondern dann eben um die besonders schöne Hütte.
00:10:22: Du hast ja eben schon die Autoren angesprochen, wenn wir mal über die Rolle von externen Autoren sprechen.
00:10:31: Wie muss denn jemand sein, dass er Autor beim Meerieren werden darf?
00:10:39: Ja oder Sie... ich finde, jemand muss wissen was er oder sie sagen und erzählen möchte Und wir sind offen für so viele Vorschläge.
00:10:52: Ich mache jetzt mal ein Beispiel im einen Autor, der uns vorgeschlagen hat, er liebt Staus.
00:10:58: Er möchte mal eine Ode an lange Staus schreiben und allein das Exposé lässt sich so gut, dass wir gesagt haben, das machen wir auf jeden Fall!
00:11:08: Und natürlich klassischerweise... Wir haben dann großes Netzwerk an Autoren.
00:11:14: Ja, wir gucken natürlich oder in der Regel lassen wir uns Textproben schicken.
00:11:18: Wir brauchen natürlich eine Idee wie schreibt er oder diejenige?
00:11:22: aber wir sind froh wenn jemand auch ne ganz eigene Schreibe hat.
00:11:26: also wir versuchen jetzt nicht zu sagen Die mehrere Jahre Texte sollen so und so aufgebaut sein Sondern je vielfältiger desto besser.
00:11:34: Natürlich muss der Text irgendwie Auch wenn er total abgedreht ist Und auch wenn er einfach wahnsinnig lustig ist muss klar sein, was will dieser Text.
00:11:43: Will er mich jetzt gut unterhalten?
00:11:44: Will er sich gut informieren?
00:11:46: Hat jemand einfach super Tipps mitgebracht?
00:11:49: Da haben wir eine sehr große Bahnbreite!
00:11:53: Es kommt ja immer mal wieder vor und das Promis über ihre Heimat schreiben oder einen besonderen Ort ist dieser Promi Faktor besonders wichtig?
00:12:08: Ich glaube dass es eher diese vertrauten Gesichter sind.
00:12:12: Also ich bin selber so, dass wenn ich Magazine lese gerne auf jemanden treffe, wo ich weiß, ah den finde ich interessant oder die finde ich interessantes und da spielt Prominenz dann natürlich mit rein.
00:12:27: Diese Rubrik ist eine kleine Rubrik und die funktioniert auch sehr gut.
00:12:33: Die heißt die Reise meines Lebens, auf die du anspielst.
00:12:39: Sie sind jetzt unterschiedlich gerade von Prominenten.
00:12:41: Wir hatten da schon Köche, Schriftsteller, Schauspieler, Moderatoren.
00:12:50: John Neumeier hier aus Hamburg war dabei.
00:12:52: also es geht eher immer darum was hat derjenige oder diejenige zu erzählen?
00:12:59: Was hat er oder sie denn zu erzählern ist ja in digitalen Zeiten vielleicht anders zu bewerten.
00:13:06: Also wenn man sich das Netz so anguckt Und was dort jeden Tag von jemandem verbreitet wird, weil er glaubte das könnte jemanden interessieren.
00:13:14: Dann frag ich mich ist es wirklich noch etwas wert?
00:13:18: Deshalb die Frage, was braucht denn so ein Reisemagazin wenn jederzeit doch digital spannende Geschichten vermeintlich spannende Geschichte verfügbar sind?
00:13:32: Also erstmal ist an der Stelle glaube ich wichtig zu sagen Merian ist ja schon lange nicht mehr nur des Magazins.
00:13:38: Das Magazin ist natürlich irgendwie das Herz, aber wir sehen es als Marke und arbeite in der Redaktion auch so.
00:13:47: Also das ist merianne.de, also es ist der Newsletter.
00:13:52: Reisefieber heißt er Es ist unser Podcast Und die funktionieren alle unterschiedlich Die befruchten sich aber alle untereinander.
00:14:01: Insofern sind wir nicht nur konzentriert auf Print Das Magazin speziell, aber auch die ganze Marke.
00:14:13: natürlich kann es kuratieren und erzählen.
00:14:16: Also du hast natürlich eine Flut von Tipps, von Geschichten, die da rumschwirren Und das kennen wir selber alle wenn wir eine Reise planen.
00:14:28: Ich finde alles und somit aber irgendwann auch nichts mehr weil ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe.
00:14:37: Letztlich brauche ich vielleicht auch gar nicht hundred-achtzig Tipps, sondern zwanzig gute.
00:14:45: Und kuratierte?
00:14:47: Auf jeden Fall!
00:14:48: Also das ist für uns natürlich essentiell wichtig, dass man wirklich guckt was brauchen die Leute und das ist je nachdem wo sie hinreisen was völlig unterschiedlich ist.
00:14:59: in einer großen Stadt ist dann mehr Hotels und Gastro im Vordergrund.
00:15:07: Wenn es um die Alpen geht, dann brauchen Sie vielleicht noch mal ganz andere Tipps.
00:15:11: Aber auch da müssen sie wirklich Hand und Fuß haben.
00:15:15: Besonders Hand-und-Fuß haben sonst ganz gefährlich werden!
00:15:22: Ist dein Job der Journalist früher klassisch der Gatekeeper?
00:15:29: Heute vielleicht ein Stückchen mehr einer Kuratorin?
00:15:38: Ein Stück weit ist es bestimmt so... Ja, auch.
00:15:45: Aber ich bin natürlich auch nach wie vor... Das kann ich nicht lassen und möchte einfach noch nicht lassen!
00:15:50: Ich bin als Autorin unterwegs.
00:15:53: Es ist mir übrigens auch wichtig das in unserer Redaktion.
00:15:56: Wir haben natürlich wahnsinnig viel in der Redaktionen zu tun und wir haben dieses große Netzwerk an freien Autoren.
00:16:01: Wir sind aber alle unterwegs.
00:16:03: Ich finde das total wichtig.
00:16:07: Puls des Reisens dran zu bleiben und das tut uns auch allen immer wieder gut, das inspiriert total.
00:16:13: Das bringt einen auf Ideen.
00:16:16: so ist es mit dem Reisen.
00:16:20: Andere Ort andere Gedanken?
00:16:23: Auf jeden Fall!
00:16:24: Und andere Gespräche.
00:16:26: also wir...das ist ja wie ein Schleusenöffnen.
00:16:28: wenn ich als Autorin, als Reporterin unterwegs bin dann Wir haben uns im Saarland kennengelernt, wo ich so unterwegs war.
00:16:40: Da saugt man quasi auf und das bringt einen fast automatisch wiederum auch viele andere Ideen von denen man gar nicht wusste dass sie da rumschwören.
00:16:53: Was glaubst du denn was Print deutlich besser kann als LinkedIn und Instagram und Facebook und TikTok?
00:17:05: Zeit, also Zeit wirklich zu lesen in eine Geschichte abzutauchen.
00:17:11: Auch nicht angesprungen werden davon sondern sie selber in meinem eigenen Tempo die Bilder auf mich wirken zu lassen.
00:17:22: dann kommt nicht schon das nächste, sondern ich kann das vielleicht auch eine halbe Stunde angucken wenn es mich gerade so packt und in Ruhe diesen Text zu lesen.
00:17:30: Das wissen wir auch dass unsere Leser sich wirklich viel Zeit mit diesem Magazin beschäftigen und da richtig einzutauchen.
00:17:42: Ich möchte das andere überhaupt nicht missen.
00:17:44: Es ist einfach nur eine andere Form.
00:17:50: Ich glaube, es gibt auch allgemein bei vielen jungen Leuten inzwischen diesen Moment wo sie froh sind wenn Sie mal dieses ganze Geflimmer und den Bildschirm weglegen können und einfach sich ein Buch oder einen Magazin nehmen.
00:18:06: Und ich finde auch ganz wichtig dass wir nicht sagen lesen die noch oder liest man noch Magazine weil damit impliziert man immer das das zu Ende geht.
00:18:18: Ich glaube ganz fest, dass dem nicht so sein muss.
00:18:21: Es kommt immer darauf an wenn man Print macht dann muss man auch davon überzeugt sein das richtig ist und dass ein Printmagazin seine Leser hat.
00:18:37: Du hast ja eben erzählt, dass ihr immer noch sehr viel in der Welt unterwegs seid.
00:18:44: Gibt es Geschichten die ihr mitbringt?
00:18:48: Digital First oder online only stattfinden.
00:18:53: Oder kommt alles ins Print und nur in Anführungszeichen die Zweitverwertung ins Digitale?
00:19:01: Also, Zweit Verwertungen würde ich es auf gar keinen Fall nennen.
00:19:03: Es ist eine andere Form also... Online funktioniert halt viel mehr, es sind vielmehr die Basics, die die Leute wollen.
00:19:14: Es sind Elistik, das sind Informationen, schnelle Information, leicht konsumierbare Informationen... Aber die machen auch wirklich einen super Job.
00:19:27: Wir haben da so viele Sachen, die dann teilweise wieder eine Printgeschichte befruchten.
00:19:32: also ich kann das nicht so sagen dass das immer nur klar ist.
00:19:36: der Klassiker.
00:19:37: wir denken wenn wir Themenkonferenzen haben am allerersten als allererstes sowas machen wir in dem Häft und in dem häft Und Das findet ein bisschen separat natürlich für online statt weil die einfach eine andere eine andere Machart für Geschichten haben.
00:19:54: Aber manchmal läuft eine Sache auch zuerst im Podcast und läuft dann auch im Newsletter, aber das ist nie eins-zu-eins!
00:20:04: Und es wird nie einfach copypaste da auch noch zweitverwertet.
00:20:09: Wir schreiben für jeden Newsletter ein eigenes Edi... Ein eigenes Editorial.
00:20:19: findet auf diesem Weg dann auch eine Geschichte ihren Platz im Heft, aber dann wird sie da wieder anders aussehen und vielleicht auch noch mal andere Tipps dazu bekommen.
00:20:32: Magazin in Print Newsletter selbst reden digital, Podcast selbst reden digitale.
00:20:39: Wie ergänzen die sich denn?
00:20:41: also kann man sagen es gibt sowas wie Customer Journey?
00:20:44: Man beginnt beim Newsletter, der führt hin zum Podcast und der Podcast leitet hin zum Kauf des Magazins.
00:20:52: oder hängt das vom Thema ab?
00:20:54: Ist es frei und immer individuell entschieden?
00:20:58: Ich würde sagen, dass ist frei.
00:21:01: Also da gibt es sicherlich starke Überschneidungen.
00:21:05: aber ich bin mir sicher, dass wir uns auch einige vielleicht exklusiv den Podcast hören und dann vielleicht aufs Magazin kommen oder den Newsletter abonnieren.
00:21:16: Aber ich kann nicht sagen, dass es da einen Weg gibt.
00:21:21: Möchte ich auch gar nicht!
00:21:22: Ich finde das ja super wenn die Leute auf unterschiedlichen Wegen ihren Zugang finden.
00:21:27: und aber genau deshalb finde ich auch wichtig, dass sich nicht einfach, dass man sagt ja gut und jetzt ist das Ganze nochmal hier in gedruckter Form.
00:21:40: Das heißt, wenn man das so ein bisschen einordnet der gesamten Marke Merian mit mehreren Ausspielkanälen das Herzstück.
00:21:54: Ja, es hat natürlich auch viel mit der wirklich langen Historie zu tun.
00:22:02: Das Magazin gibt es jetzt seit bald sensationellen Achtzig Jahren.
00:22:06: also in zwei Jahren haben wir quasi Achtzigjähriges und Es ist einfach auch ein Sammlerstück.
00:22:14: Ich selber finde ich manchmal auf Flur-Märkten so alte Schuba, zum Beispiel die fünf neuen Bundesländer.
00:22:20: Das wurde damals nach der Wende gemacht und das sind einfach Sozeiddokumente.
00:22:24: Das ist auch total toll da heute noch drin zu blättern.
00:22:27: Ich kann ja nicht dran vorbeigehen, muss immer mitnehmen.
00:22:31: Und ja, wir stöbern auch total gerne in unserem Archiv und gucken uns an welche Art Cover wird oder wie?
00:22:41: waren damals noch nicht da, aber mehrere Jahre mal gemacht hat in den in den Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahren.
00:22:47: Das ist total interessant weil die Bildsprache sich auch total verändert hat.
00:22:53: Und das spielt manchmal auch auf den Kanälen eine Rolle, aber klar dass das Printmagazin es einfach schon so lange da und ist ja nach der Neuaufstellung deutlich dicker geworden.
00:23:08: also das finde ich fand ich auch wirklich ein total wichtiges und gutes Statement.
00:23:14: Wenn man heute einen Printprodukt macht, wir wissen beide die sind alle alle Printprodukte sind teurer geworden.
00:23:21: also ich schlucke manchmal Ich bin doch so jemand die klassischerweise die Wochenendzeitung kauft Und das ist schon eine andere Nummer jetzt noch vor ein paar Jahren.
00:23:33: Ich finde aber wichtig, dass ich dann das Gefühl habe, ich hab nicht so ne Fernsehbeilage in der Hand, sondern wirklich... Jetzt hab' ich was zu lesen fürs Wochenende und das muss bei nem hochfertigen Magazin auch sein!
00:23:45: Also Marianne ist inzwischen fast zweieinhalb Seitendick und also ich merke selber immer, ich lese das Magazin jedes Mal bevor es in Druck geht nochmal von vorne bis hinten und bin dann echt beschäftigt, das finde ich auch gut so.
00:24:01: In Zeiten von digitalen Medien ist es ja schon ein Erfolg wenn die Auflagen- oder Reichweitenzahl stagniert also nicht sinkt.
00:24:15: Das ist dem Mehrjahren gelungen.
00:24:19: Was hältst du denn von folgender These?
00:24:23: Die Zukunft von Brent wird darin liegen weniger Menschen zu erreichen, dafür aber umso intensiver.
00:24:33: Das ist sicherlich eine Tendenz die da ist und man spricht ja auch oft von, sagt man, Vinylisierung.
00:24:42: also das gibt so wie Leute heute wieder Schallplatten hören und es einen Markt für Schall platten gibt der ist natürlich nicht riesig aber der ist absolut da und da sind die leute auch bereit richtig viel Geld auszugeben.
00:24:59: Insofern ist uns allen klar, das ist kleiner geworden.
00:25:06: Wobei bei Merian schon es gibt eigentlich ... Das Thema Reisen ist so breit und jeder beschäftigt sich damit, dass da schon auch ein großes Leserpotenzial ist.
00:25:20: Wie wichtig sind dabei denn Wertigkeit?
00:25:24: Und nennen wir es mal Zahlungsbereitschaft oder Kaufkraft.
00:25:29: Kaufkraft spielt natürlich eine Rolle, also wenn ein Magazin so viel kostet wie ein Buch.
00:25:39: Aber das ist glaube ich an so vielen Stellen es kostet halt auch soviel wie wenn ich am Bahnhof bin wie zwei Cappuccino.
00:25:45: Das ist so ne Gewichtungsfrage und da gibt es bei der Leserschaft die wir haben oder glaube ich spielt der Preis.
00:25:57: Natürlich geht das jetzt nicht ins Exorbitante, aber ist viel wichtiger, dass das Magazin seinen Preis wert ist.
00:26:08: Und da spielt natürlich Wertigkeit eine ganz große Rolle!
00:26:12: Also ich möchte gute Autoren, ich möchte ne tolle Optik, Ich möchte überrascht werden... Ich möchte einen Füllhorn an unterschiedlichen Geschichten haben, möchte wirklich neue Orte kennenlernen.
00:26:28: Woher weißt du denn, ob diese Taktik aufgeht?
00:26:31: Gibt es noch Leser die anrufen und sagen, ich bin überrascht worden?
00:26:38: Es gibt, sagen wir mal so.
00:26:40: Wir haben ja über verschiedene... Da spielen natürlich die Kanäle wieder um eine große Rolle.
00:26:46: Es gibt ein Feedback, das ist jetzt nicht, dass wir permanent... Wir kriegen sogar noch Post muss man jetzt sagen!
00:26:55: Das ist aber höchst selten.
00:26:56: Handgeschrieben oder dann doch mit kompletem?
00:26:58: Ob das
00:26:59: kommt vor, sogar mit der Schreitmaschine.
00:27:07: Aber in der Regel ist das natürlich über die Kanäle oder so.
00:27:11: Dann kriegen wir da viel mehr Feedback.
00:27:16: Da ist durchaus ein Austausch da.
00:27:21: Bei aller Weiterentwicklung ... Inwiefern ist denn Mirian jetzt schon weiterentwickelt So wie es jetzt ist, bleibt das Magazin oder sind in dem Kopf der Chefredakteuren schon Ideen was denn im Jahr twenty-sevenundzwanzig sich noch verändern und sich weiterentwickeln könnte?
00:27:44: Da sind ganz viele Ideen.
00:27:46: Ich glaube dass wäre auch verteilt wenn es nicht so wäre zumal wir ja wie gesagt zwei tausendzehnzehntes besonderes Jahr haben und da bestimmt auch einiges passieren wird.
00:27:57: Wir haben, das muss ich auch noch dazu sagen dieses Jahr zum ersten Mal die Merian Awards vergeben.
00:28:02: Also eine Veranstaltung gemachtes große Festveranstaltungen in München.
00:28:10: Auch damit wird es sicher weitergehen und dadurch dass da auch so vielen Ebenen viel passiert also ist da bestimmt ne permanente Weiterentwicklung drin.
00:28:19: wir stellen auch die Rubriken die wir haben immer wieder auf den Prüfstand überlegen Was muss passieren?
00:28:27: Es passiert ja um uns rum auch so irre viel.
00:28:30: Das muss man auch sagen, diese Multithematik kam in einer Zeit an der sich die Welt so rasant verändert hat und in der wir jetzt natürlich dadurch dass wir viel breiter gestreut sind mit den Themen, die wir machen das ist es uns auch einfach öfter passiert, dass wir Geschichten immer bisher gerade noch tauschen konnten weil es irgendwo gebrannt hat, weil es irgendwie einen Flut gab oder ein Krieg begonnen wurde.
00:28:56: Also das muss man einfach auch dazu sagen, insofern wir können uns das gar nicht leisten und es möchte ich auch nicht dass wir sagen so jetzt machen wir erst mal unseren Stiefel so weiter.
00:29:07: Dazu gibt es zu viele Anknüpfungspunkte wo wir neue Ideen entwickeln können und auch neue Felder besetzen können.
00:29:16: Und das Magazin hat sich auch schon in dieser Zeit in der wir es neu aufgestellt haben deutlich weiterentwickelt.
00:29:25: Was bei einer solchen Weiterentwicklung muss denn zwingend unverkennbar Merian bleiben?
00:29:35: Wie gesagt, ich finde es wirklich, dass die Autoren Stücke da in eine Riesenrolle spielen.
00:29:47: Die Authentizität und gut recherchierten Serviceteile spielen bei uns eine Riesenrolle.
00:29:55: Ich möchte zu jeder Geschichte dann unterschiedlich wie lang die sein müssen, aber ich möchte wirklich auch was an der Hand haben.
00:30:02: Was wirklich ausgewählt ist und handverlesen ist.
00:30:08: Es muss eine Bandbreite in Vielsprachigkeit drin sein.
00:30:13: Dieses Heft darf nie zu eintönig werden, dass sich das so weg blättern kann Und es muss eine Relevanz haben.
00:30:22: Das ist ja, was Merian immer hatte mit wirklich immer großartigen Autoren.
00:30:29: Die teilweise auch aus dem eigenen Haus kamen und kommen.
00:30:33: also wir haben Hoffmann & Kampel bei uns im Haus als Buchverlag, mit denen wir uns auch viel austauschen.
00:30:40: Also das muss bleiben!
00:30:46: Wenn wir mal so einen Blick auf die Branche insgesamt richten... Also ein Branche insgesamt damit meine ich so ein Stück weit so Zeitschriften Durch Magazine.
00:30:58: Was glaubst du denn, welche Chancen Brindt heutzutage noch hat?
00:31:04: Jetzt hast Du noch gesagt.
00:31:08: Ich sehe die Skepsis in Deinem Blick!
00:31:14: Wie gesagt ich verknife mit es noch weil ich finde das ist wirklich wichtig.
00:31:18: wir wissen beide wie wichtig Sprache ist und ich habe immer das Gefühl wenn man sagt was können wir dann noch ausrichten so nach dem Motto Verstärken wir selber dieses dauernde sinkende Titanic Storytelling rund um unsere Branche.
00:31:37: Und davon halte ich überhaupt nichts, weil wir haben es erst ein Stück weit selber in der Hand.
00:31:42: also wenn wir Magazine machen die nicht relevant sind die immer dünner werden dann klar werden die irgendwann verschwinden.
00:31:51: das ist aber auch klar.
00:31:52: wer soll denn dafür noch Geld ausgeben?
00:31:54: Aber Ich bin einfach überzeugt davon, dass es einen Markt für Brittazeugnisse gibt.
00:32:02: Der muss nicht riesig sein.
00:32:05: aber ich denke dann auch immer wieder wenn ich an manchen Kiosken stehe und so Bahnhöfen oder Flughäfen irre was das alles gibt und ja oft noch neu und immer wieder aufgelegt wird.
00:32:18: also ich streife das noch!
00:32:21: Das ist das allerwichtigste.
00:32:25: Jetzt hast du ja einen unglaublichen Erfahrungsschatz gesammelt, in fünfzehn Jahren insbesondere dann in den intensiven letzten zwei bis drei Jahren ohne dass wir jetzt ins Consulting für Verlage verfallen.
00:32:40: Was war denn deine Erkenntnis in dieser Zeit?
00:32:45: Was man bei einer Weiterentwicklung eines traditionreichen Produktes in Deutschland auf Print beachten sollte.
00:32:56: Also erstmal keine Scheu vor Veränderungen.
00:33:00: Das ist ja auch was, was Ost passiert.
00:33:05: also erst mal glaube ich brauche es einen gewissen Cut um dann zu gucken so und... Was ist denn das was wirklich noch?
00:33:16: bleiben muss, aber eine Veränderung wäre sich nicht verändert.
00:33:21: Also wen es so lange gibt wie Merian und wenn einfach immer diesen Stiefel weitermacht ich glaube wird nicht bestehen können.
00:33:31: Und insofern ist erstmal der Mut und die Bereitschaft zur Veränderungen total wichtig.
00:33:41: Aber auch nicht kopflos, also nicht einfach zu sagen... Also es ist ja das was wir vorher gemacht haben war ja aus irgendeinem Fall nicht falsch oder nicht wertlos ganz im Gegenteil.
00:33:57: Und sich dessen auch bewusst zu sein und wirklich zu sagen damit arbeiten wir auch.
00:34:06: Natürlich muss man sich erstmal neu aufstellen aber dann Wir arbeiten wie gesagt auch viel mit Autoren zusammen, mit denen wir schon sehr lange zusammenarbeiten.
00:34:14: Aber du musst eben erst mal wissen wer ist auch bereit diesen Weg zu gehen.
00:34:19: und da war auch viel Skepsis von vielen Leuten, von Lesern, von Autoren.
00:34:23: ich verstehe das auch also wusste ja erstmal keine was passiert denn jetzt kommen sie wieder halten die das Niveau und das ist bestimmt Ansichtssache.
00:34:35: Und dann, aber es hat sich sehr gut zusammengefügt.
00:34:42: Wir reden bei Print-Lebt-Vertrauen, dass man in der Hand hält.
00:34:49: Liebe Tinker!
00:34:50: Wenn du an Lesezirke denkst... Woran denkst Du denn?
00:34:56: Ich denke an so eine wöchentliche, dieses wöchenliche Lesepaket von dem ich mich, ja ich werde selber immer wieder davon überrascht weil ich immer gar nicht genau auf dem Schirm habe welches jetzt wann eigentlich kommt.
00:35:15: und das ist einfach so eine schöne Regelmäßigkeit in der man ein Printpaket auf den Tisch bekommt.
00:35:27: Und dann einfach sich da rein vertieft
00:35:33: Und so schließt sich der Kreis.
00:35:35: So geht es mir dann ja auch, wenn die Post kommt und ich öffne und sehe das Merienmagazin – und ich kann mich dann vertiefen, liebe Tinker!
00:35:44: Ich würde gerne zum Abschluss noch drei schnelle Entweder-Oderfragen loswerden also Papier oder Bildschirm?
00:35:54: Papier
00:35:57: Kiosk oder Briefkasten?
00:36:00: Kioskk
00:36:02: Eselsohr oder Lesezeichen?
00:36:04: Lese Zeichen
00:36:08: Zyka, vielen lieben Dank für das Spannende.
00:36:10: Ich habe nie auf den Gedanken einen Eselsohren ein Merianheft zu machen.
00:36:16: Okay ich hab gelernt, Eselsohre raus aus dem Merian.
00:36:21: Ja!
00:36:22: Das waren sehr spannende Einblicke in kompakten, dreißig Minuten aber mit großen Erfahrungen insbesondere in ganz, naja, turbulenten Aber dann doch sehr spannenden letzten zwei, drei Jahren.
00:36:40: Tinker wir drücken aus dem Verband Deutscher Lesezirke die Daumen nämlich dass die Planungen für das große Jubiläum in zwei Jahren nicht so nervenaufreibend werden, dass es trotzdem auch noch spannende Geschichten im Mehreren Magazin gibt.
00:36:59: Versprochen!
00:37:01: Versprochen Tinker vielen lieben Dank
00:37:04: Danke dir.
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